Die Veranstaltungsreihe „Mein Kiez. Geschichte(n) des geteilten Berlins“ des Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (BAB) kommt im September 2025 nach Buch. Unter dem Titel „Berühren-Verletzen-Verbinden“ stehen Erfahrungen von Patientinnen und von Menschen, die in Forschung und Versorgung an dem bekannten Medizinstandort tätig waren, im Mittelpunkt. Dabei wird auch den Fragen nachgegangen, was Menschen in Buch heute noch an der DDR-Geschichte berührt, welche Verletzungen bis heute nachwirken und was verbindend wirkt.
In „Berühren. Erzählungen von Krankheit“ am Dienstag, 9. September 2025, 17 Uhr, lesen die Schauspielerinnen Nele Rosetz und Katrin Röver Auszüge aus den Tagebüchern von Maxie Wander und Brigitte Reimann. Die an Krebs erkrankten DDR-Autorinnen wurden beide im Klinikum Buch behandelt. Beide starben jung, beide hinterließen Tagebücher, deren Veröffentlichung in Ost und West große Aufmerksamkeit erregte. In ihren Aufzeichnungen hielten sie ihre Erfahrungen als Patientinnen, ihre Gedanken zum kranken Körper und Beobachtungen in der Klinik fest.
Station 114 c des Klinikums Buch war in der DDR eine geschlossene gynäkologische Station. Mädchen und Frauen ab 12 Jahren wurden in den sogenannten „Tripperburgen“ unter dem vorgeschobenen Verdacht einer Geschlechtskrankheit zwangsweise festgehalten. Die Betroffenen waren in den Einrichtungen vielfach Misshandlungen ausgesetzt und leiden oft bis heute unter den Spätfolgen. Dr. Fruzsina Müller, Medizinhistorikerin an der Charité Berlin, berichtet im Vortrag „Verletzen. Venerologische Stationen als Repressionsort“ am Donnerstag, 11. September 2025, 17 Uhr, über den aktuellen Forschungsstand.
Eva und Jens Reich gehörten im Herbst 1989 zu den Mitbegründern der Bürgerbewegung Neues Forum. Dr. Eva Reich arbeitete in der DDR in einer Spezialsprechstunde des Klinikums Buch und eröffnete 1991 eine eigene Arztpraxis. Prof. Dr. Jens Reich forschte an der Akademie der Wissenschaften zu medizintheoretischen Fragen und widmete sich im Zuge der Friedlichen Revolution der Politik. In den 1990er Jahren kehrte er zur Forschung zurück und engagiert sich seither an der Schnittstelle von Politik und Forschung, insbesondere zu wissenschaftsethischen Fragen. Beim Zeitzeugengespräch „Verbinden. Zwiespalt und Erkenntnis“ am Dienstag, 16. September 2025, 17 Uhr, blicken die beiden auf ihre Erfahrungen in Buch zurück.
Berühren. Erzählungen von Krankheit
Lesung und Gespräch
Dienstag, 9. September, 17 Uhr
Veranstaltungsort: Stadtteilbibliothek Buch, Wiltbergstr. 19 – 23, 13125 Berlin
Verletzen. Venerologische Stationen als Repressionsort
Vortrag und Diskussion
Donnerstag, 11. September 2025, 17 Uhr
Veranstaltungsort: Stadtteilbibliothek Buch, Wiltbergstr. 19 – 23, 13125 Berlin
Verbinden. Zwiespalt und Erkenntnis
Eva und Jens Reich im Gespräch
Dienstag, 16. September 2025, 17 Uhr
Veranstaltungsort: Saal des Jugendamts im Bürgerhaus, Franz-Schmidt-Str. 8, 13125 Berlin
Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.