Rückblick auf den 29. Bundeskongress in Chemnitz

Orte bleiben. Gedenkstätten und die Zukunft des Erinnerns

Ein Mann steckt eine Rose an eine Gedenkstele.
Ein Mann steckt eine Rose an die Gedenkstele in Chemnitz. Bild: BAB

In Chemnitz tagte vom 24. bis 26. April 2026 der 29. Bundeskongress zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die jährliche Veranstaltung wird von den Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie der SED-Opferbeauftragten beim Deutschen Bundestag ausgerichtet. Der diesjährige Kongress stand unter der Überschrift „Orte bleiben. Gedenkstätten und die Zukunft des Erinnerns“. Gastgeberin war die Sächsische Landesbeauftragte.

Politiker aus Sachsen beim Bundeskongress

Ein Mann steht an einem Pult und spricht in ein Mikrofon. Hinter ihm sind Aufsteller mit der Aufschrift Bundesstiftung Aufarbeitung bzw. Konferenz der Landesbeauftragten zu sehen.
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht zur Eröffnung des 29. Bundeskongresses

Zur Eröffnung sprachen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der Präsident des Sächsischen Landtags Alexander Dierks und der Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz Sven Schulze. Die Redner würdigten die Arbeit der Opferverbände und Aufarbeitungsinitiativen und betonten den Wert von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag Evelyn Zupke wies auf die Verbesserungen durch die Novellierung der SED-Unrechtsbereinigungsgesetze im vergangenen Jahr hin. Sie machte aber auch deutlich, dass bestimmte Opfergruppen in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen werden, etwa die jungen Frauen und Mädchen, die in den geschlossenen Venerologischen Stationen eingesperrt waren und sexualisierte Gewalt erfuhren, oder die Menschen, die als „Asoziale“ diffamiert und inhaftiert wurden.

Den Festvortrag hielt Dr. Markus Pieper, der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten. Er erläuterte die Besonderheiten der sächsischen Gedenkstättenlandschaft. Erinnert wird dort an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur und der kommunistischen Diktatur in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR.

Generell kommt den Gedenkstätten als Orten des Erinnerns eine wichtige Bedeutung zu, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen perspektivisch fehlen werden.

Impressionen vom 29. Bundeskongress in Chemnitz

Mehrere Personen stehen vor Stehtischen auf einer Bühne
Die Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur, die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag und der stellv. Direktor der Bundesstiftung Aufarbeitung berichten über ihre Arbeit. Bild: BAB
Eine Frau steht an einem Rednerpult und spricht in ein Mikro.
Die Sächsische Landesbeauftragte Dr. Nancy Aris eröffnet den 29. Bundeskongress. Bild: BAB
Auf der Zufahrtsstraße zu einem großen Gebäude aus rotem Backstein stehen Menschen. Im Gebäude befindet sich die Gedenkstätte Hoheneck, die an das berüchtigte DDR-Frauengefängnis erinnert
Die Gedenkstätte Hoheneck in der ehemaligen DDR-Strafvollzugsanstalt Hoheneck in Stollberg/Erzgebirge. Bild: BAB
Wandbild am Eingang der Ausstellung der Gedenkstätte Hoheneck
Eingang zur Dauerausstellung in der Gedenkstätte Hoheneck. Bild: BAB
Eine Gruppe von Menschen steht um einen Glaskasten, in dem sich das Modell einer Gefängnisanlage befindet.
BAB Frank Ebert (links) mit Teilnehmenden des Bundeskongresses am Modell der Anlage in der Dauerausstellung der Gedenkstätte Hoheneck. Bild: BAB
Drei Menschen betrachten die Tafeln einer Ausstellung.
Besucherinnen und Besucher in der Dauerausstellung der Gedenkstätte Hoheneck. Bild: BAB
Führung durch das ehemalige Frauengefängnis Hoheneck. Bild: BAB
Auf einer weißen Wand sind Fotos, Pläne, Modelle, Skizzen und Erklärtexte zu sehen.
Ausstellungstafel im Kaßberg-Gefängnis. Bild: BAB
Eine Frau und ein Mann stehen vor einer Ausstellungstafel im Lern- und Gedenkort Kaßberg.
Führung im Lern- und Gedenkort Kaßberg in Chemnitz. Hier warteten politische Häftlinge, die von der Bundesrepublik freigekauft wurden, auf ihren Transport in die Freiheit. Bild: BAB
Mehrere Personen sitzen mit Rosen in der Hand in Stuhlreihen
Brandenburgs Landesbeauftragte Dr. Maria Nooke und die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke beim Gedenken zum Abschluss des Bundeskongresses. Bild: BAB
In einer Grünanlage steht eine Frau vor einer Gedenkstele und spricht vor Publikum in ein Mikrofon.
Ansprache der Sächsischen Aufarbeitungsbeauftragten Dr. Nancy Aris beim Gedenken an der Stele "Den Opfern der Gewaltherrschaft 1945-1989". Bild: BAB

Gedenkstätten machen Geschichte erlebbar

In den Gedenkstätten wird Geschichte konkret erfahrbar. Davon konnten sich die rund 150 Teilnehmenden des Kongresses im berüchtigten ehemaligen Frauengefängnis Hoheneck und im Kaßberg-Gefängnis überzeugen. Beide Erinnerungsorte sind kürzlich neu gestaltet worden. Sie zählen zu den wichtigen Erinnerungsorten an das Unrecht in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR. In den multimedialen Ausstellungen beider Einrichtungen können sich die Besucherinnen und Besucher anschaulich über die Lebensgeschichten und die Haftbedingungen der früheren Gefangenen informieren.

In Hoheneck in Stollberg/Erzgebirge waren neben Frauen, die wegen krimineller Delikte einsaßen, Tausende politisch Inhaftierte unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht. Das ehemalige Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz war der zentrale Abwicklungsort des Häftlingsfreikaufs aus der DDR. Für rund 30.000 der politischen Gefangenen, die zwischen 1962/63 und 1989 von der Bundesregierung aus der Haft in der DDR freigekauft wurden, ging es von hier aus in die Freiheit.

Bewegende Gedenkveranstaltung zum Abschluss

Mehrere Personen stehen mit Rosen in der Hand auf einer Wiese. Hinter ihnen befindet sich eine größere Gruppe Menschen.
Gedenken zum Abschluss des Bundeskongress. Bild: BAB

Zum Abschluss des Kongresses gedachten die Teilnehmenden bei einer Gedenkveranstaltung der Opfer der politischen Verfolgung in SBZ und DDR. Schüler des Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasiums Chemnitz erinnerten an die Schicksale von im Kaßberg-Gefängnis Inhaftierten, die aus politischen Gründen vom Sowjetischen Militärtribunal Nr. 48240 auf dem Kaßberg zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet wurden.

Der Bundeskongress ist ein wichtiges Forum für den Austausch zwischen den Betroffenen sowie den Vertreterinnen und Vertretern der Verbände und Institutionen, die sich für die Belange der Opfer und für die Aufarbeitung der SED-Diktatur einsetzen. Mit dem diesjährigen Thema „Orte bleiben. Gedenkstätten und die Zukunft des Erinnerns“ setzte der Bundeskongress ein klares Signal: Die Auseinandersetzung mit dem SED-Unrecht bleibt eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe – und die Orte des Erinnerns gewinnen dabei weiter an Bedeutung.