In diesen Tagen haben wir an den Bau der Berliner Mauer vor 65 Jahren, am 13. August 1961, erinnert. Mit dem Mauerbau wollte die SED-Diktatur die anhaltende Fluchtbewegung aus der DDR stoppen: Zwischen 1952 und 1961 flüchteten jeden Monat tausende Menschen aus der DDR und Ost-Berlin nach West-Berlin, um von dort in die Bundesrepublik Deutschland zu gelangen. Dabei hatte der Flughafen Tempelhof eine wichtige Bedeutung, denn eine Fahrt Richtung Westdeutschland über die streng überwachten Transitstrecken war für DDR-Flüchtlinge nicht möglich.
Die Geschichte der Ausreise von DDR-Bürgerinnen und -Bürger über Tempelhof ist bisher kaum erforscht. Deshalb suchen die Tempelhof Projekt GmbH und der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (BAB) Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die als (ehemalige) DDR-Staatsangehörige zur Zeit der deutschen Teilung vom Flughafen Tempelhof in die Bundesrepublik ausgeflogen wurden. Auch Angehörige, denen die Ausreise-Geschichten aus der Familienerinnerung bekannt sind, können sich gern melden, um ihre Erfahrungen und Erinnerungen zu teilen. Eine Kontaktaufnahme ist per E-Mail unter zeitzeugen@thf-berlin.de oder telefonisch unter (0 30) 2359 13129 möglich.
Die Flucht über den Flughafen Tempelhof in die Bundesrepublik soll im Rahmen der Reihe „Mein Kiez. Geschichte(n) des geteilten Berlins“ des Berliner Aufarbeitungsbeauftragten thematisiert werden. Die Reihe nimmt den Alltag in den Ortsteilen Ost- und West-Berlins während der Teilung in den Blick. Im Oktober 2026 ist ein umfangreiches Programm im Ortsteil Tempelhof geplant. Unter anderem wird es Führungen rund um den Flughafen, einen Filmabend und eine Lesung mit Texten von Jürgen Fuchs geben. Der Schriftsteller (1950–1999) lebte nach einer erzwungenen Ausreise aus der DDR in Berlin-Tempelhof.