Berlin, 15. Juni 2026 – Am kommenden Mittwoch jährt sich zum 73. Mal der Volksaufstand in der DDR. Am 17. Juni 1953 waren mehr als eine Million Menschen in Ost-Berlin und rund 700 weiteren Orten der DDR auf die Straße gegangen, um für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen, freie Wahlen und die Wiedervereinigung Deutschlands zu demonstrieren. Sowjetische Truppen und DDR-Sicherheitskräfte schlugen den Aufstand blutig nieder. Mindestens 55 Menschen wurden getötet, 15.000 weitere verhaftet und rund 1.500 von ihnen später verurteilt, einige davon zum Tode.
Der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (BAB) Frank Ebert nennt den 17. Juni 1953 einen wichtigen Markstein für die Demokratiegeschichte Deutschlands und Europas: „Der Volksaufstand in der DDR war die erste landesweite Erhebung gegen eine kommunistische Diktatur nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn wir am Jahrestag Kränze niederlegen, erinnern wir an die Menschen, die ihren Wunsch nach Freiheit mit dem Leben bezahlten oder aber inhaftiert wurden.“
Vor allem jüngere Menschen verbinden mit dem 17. Juni 1953 allerdings sehr wenig, wie eine repräsentative Studie des BAB zu DDR-Erinnerung und Aufarbeitung gezeigt hat. „Wir müssen feststellen, dass der Volksaufstand in der gesellschaftlichen Erinnerung immer mehr verblasst“, so Ebert weiter. „Abgesehen von den jährlichen ritualisierten Gedenkveranstaltungen haben wir fast schon eine Leerstelle in der Erinnerungskultur.“
Ebert sprach sich erneut dafür aus, in Berlin einen Ort zur Erinnerung an Opposition und Widerstand zu schaffen: „Freiheit und Demokratie stehen weltweit unter Druck“, mahnt der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte. „Sie zu erkämpfen und zu erhalten, verlangt immer wieder neues Engagement – aber auch Inspiration. Die Erinnerung an das Aufbegehren gegen die kommunistische Diktatur in der DDR kann uns inspirieren, unsere Freiheitsrechte wertzuschätzen und unsere Demokratie gegen Gefahren von innen und außen zu verteidigen.“
Der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte setzt sich gemeinsam mit der Kulturprojekte Berlin GmbH und der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. für eine Freiheitsausstellung ein. Die Ausstellung soll zum Dialog über den Wert von Freiheit anregen, indem sie geschichtliche Aufklärung mit Fragen verbindet, die unsere demokratische Kultur heute bewegen. Ziel ist es, Engagement für Freiheit und Demokratie sichtbar zu machen, zu würdigen und sowohl historisch als auch mit Bezug zur Gegenwart einzuordnen.
Zum 73. Jahrestag des Volksaufstands bietet der BAB zwei Veranstaltungen für Schulklassen an: Am 16. Juni 2026 wird im Delphi Filmpalast der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ (geeignet ab Jahrgangsstufe 8) gezeigt. Darin geht es um die wahre Geschichte einer Abiturklasse in der DDR, die auf die Niederschlagung des Ungarn-Aufstands 1956 mit einer Schweigeminute reagiert und dafür harte Konsequenzen zu spüren bekommt. Im Anschluss an den Film stehen der Zeitzeuge und damalige Klassensprecher Karsten Köhler sowie der Historiker und stellvertretende Berliner Aufarbeitungsbeauftragte Dr. Jens Schöne den Schülerinnen und Schülern für Fragen zur Verfügung.
Um den Volksaufstand in der DDR geht es bei der Lesung aus „Tage wie Jahre“ von Klaus Kordon (für Klassenstufe 4 – 6) mit dem Schauspieler Gregor Knop. In dem Buch wird der 17. Juni 1953 aus der Sicht des zehnjährigen Protagonisten geschildert. Nach einer kurzen kindgerechten Einführung durch BAB-Historikerin Dr. Andrea Bahr folgt die Lesung aus „Tage wie Jahre”. Zwischen den einzelnen Abschnitten werden die Fragen der Kinder beantwortet.
Für beide Schulveranstaltungen gibt es noch wenige freie Plätze. Interessierte Lehrkräfte können ihre Klassen inkl. Personenanzahl, Jahrgangsstufe und Schule per E-Mail anmelden.
Im Rahmen der BAB-Veranstaltungsreihe „Mein Kiez. Geschichte(n) des geteilten Berlins“ stehen am 17. und 20. Juni 2026 Führungen über das Gelände des ehemaligen Volkseigenen Betriebs (VEB) Bergmann-Borsig auf dem Programm. Der VEB gehörte in der DDR zu den Vorzeigebetrieben. Im Zuge des Volksaufstands schlossen sich jedoch große Teile der Belegschaft den Aufständischen an. Die Führungen sind bereits ausgebucht.