Berlin, 8. Juni 2026 – Die Veranstaltungsreihe „Mein Kiez. Geschichte(n) des geteilten Berlins“ des Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (BAB) geht im Juni 2026 in Wilhelmsruh weiter. In dem Pankower Ortsteil wird der historische Wandel mit all seinen Chancen und Herausforderungen greifbar.
Wirtschaftlich und propagandistisch spielte Wilhelmsruh eine herausragende Rolle für das SED-Regime: Dort lag der Stammbetrieb des Volkseigenen Betriebs (VEB) Bergmann-Borsig. Das Werk war unerlässlich für die Energieproduktion in der DDR. Mit großen Werkshallen und mehr als 4.000 Beschäftigen, aber auch mit Angeboten wie Kulturhaus und Betriebskindergarten prägte es den Stadtteil. Regelmäßig wurde Bergmann-Borsig in den DEFA-Wochenschauen porträtiert. Dabei grenzte das Werksgelände unmittelbar an West-Berlin. Folglich waren vor 1961 berufliche „Grenzgänger“ eine ständige Herausforderung und nach dem Mauerbau war es die Grenzsicherung: Von hier aus gelang mehreren Arbeitern und Grenzsoldaten die Flucht.
Heute bewährt sich in Wilhelmsruh eine lebendige Zivilgesellschaft. Der Verein „Leben im Wilhelmsruh“ betreibt ehrenamtlich die lokale Bibliothek im Gebäude der ehemaligen Post. Eine frühere Schule in einem imposanten Backsteinbau dient heute als Mehrgenerationenhaus des freien Trägers Pankower Früchtchen gGmbH. Ein ehemaliges Umspannwerk beherbergt das Inge-Deutschkron-Gymnasium.
Gemeinsam mit seinen Wilhelmsruher Kooperationspartnern und dem Museum Pankow geht der BAB im Juni in dem Ortsteil auf Spurensuche. Auf dem Programm stehen eine Ausstellung, Kiez-Spaziergänge, ein Filmabend und ein Erzählcafé. Die Veranstaltungen sind für Besucherinnen und Besucher kostenlos. Eine Anmeldung per E-Mail ist nur für die Kiez-Spaziergänge erforderlich.
Ausstellungseröffnung „Studio am Stacheldraht – Revisited“
Vor dem S-Bahnhof Wilhelmsruh ließ der West-Berliner Senat nach dem Mauerbau Plakate auf-stellen. Sie richteten sich an die Ost-Berliner Grenzsoldaten. Das Inge-Deutschkron-Gymnasiums im ehemaligen Umspannwerk steht in Sichtweite der damaligen Grenze. Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen haben die historischen Plakate analysiert und präsentieren ihre Ergebnisse in einer Ausstellung.
Mittwoch, 17. Juni 2026, 16–17 Uhr (Einlass ab 15:45 Uhr)
Aula des Inge-Deutschkron-Gymnasiums
Kopenhagener Straße 83–87, 13158 Berlin
Kiez-Spaziergang „VEB Bergmann-Borsig und der 17. Juni“
Der Volkseigene Betrieb (VEB) Bergmann-Borsig war ein Vorzeigebetrieb der DDR. Im Zuge des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 schlossen sich jedoch große Teile der Belegschaft den Aufständischen an. Bernt Roder, Leiter des Museums Pankow, führt durch das Gelände des ehemaligen VEB und erläutert, wie sich die Ereignisse des Juni 1953 auf das Werk auswirkten. Zudem geht es um den Gewerkschafter Heinz Brandt, der zwei deutschen Diktaturen widerstanden hat.
Mittwoch, 17. Juni 2026, 17:30 Uhr, Treffpunkt Höhe Hertzstraße 61, 13158 Berlin
Samstag, 20. Juni 2026, 11 Uhr, Treffpunkt Höhe Hertzstraße 61, 13158 Berlin
Für die Kiez-Spaziergänge ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich
Filmabend „DEFA-Liebling Bergmann-Borsig“
Eine Auswahl aus DEFA-Wochenschauen und der Dokumentarfilm „Eigentümer“ (1978) zeigen die Darstellung des VEB Bergmann-Borsig in der SED-Propaganda von den 1950er- bis 1980er-Jahren. Wie der Arbeitsalltag in der Realität aussah, das erläutern der Ingenieur Peter Kloth und die Ingenieurin Uta Dobruntz. Auch die Gäste der Veranstaltung sind eingeladen, ihre Erfahrungen einzubringen.
Freitag, 19. Juni 2026, 19 Uhr, Verein „Leben in Wilhelmsruh“, Hauptstr. 32, 13158 Berlin
Erzählcafé: Erinnerung und Bildarchiv. Wilhelmsruh in historischen Fotos
Das Museumsarchiv Pankow verfügt über zahlreiche Fotos aus Wilhelmsruh, vom Fischzug beim Fest der Staatssicherheit in den 1950er-Jahren bis zum Eierlauf beim Volksfest in den 1980er-Jahren. Am häufigsten jedoch sind Männer, Stahl und die großen Werkhallen von Bergmann-Borsig zu sehen. Museumsarchivarin Beate Böhnisch und BAB-Referentin Elena Demke wählten aus und sind gespannt auf Ihre Gedanken zu den historischen Bildzeugen.
Donnerstag, 25. Juni 2026, 16 Uhr, „Rote Schule“. Schillerstraße 49, 13158 Berlin