in Spiel dauerte noch immer 90 Minuten, doch abgesehen davon veränderte sich die Jahrzehnte geteilte Fußballlandschaft in Berlin 1990 grundlegend – darüber waren sich Podiumsgäste und Publikum der Talkrunde „Freistoß – Anstoß – Abpfiff: Berliner Fußball 1990“ am 23. Januar 2020 in der Kulturbrauerei einig.
Moderiert von Lars Becker (Inforadio rbb) erinnerten Fans wie Helmut Klopfleisch und Heiko „Pille“ Buchholz an die über die Mauer gepflegten und von der Stasi argwöhnisch beobachteten Freundschaften zwischen Hertha und Union vor dem Mauerfall. Als die Mauer fiel und sich beide Vereine am 27. Januar 1990 zum ersten Mal auf dem Rasen wiedertrafen, herrschte eine unvergessliche Freudenstimmung, erinnern sich Olaf Seier (1983-1991, 1. FC Union Berlin) und Theo Gries (1988-1993, Hertha BSC Berlin).
Das Zusammenwachsen von Vereinen und Verbänden verlief nicht ohne Reibungen und Herausforderungen, wie die unterschiedlichen Geschichten von Peter Deutschmann (VfB Pankow), Kathrin Nicklas (heute Berliner Fußballverband) und Uwe Hammer (bis 1990 Präsident des Fußballverbandes West-Berlin) zeigten.
Letztlich aber profitierte der Fußball von der Überwindung der Teilung. In diesem Sinne spiegelt sich auch in der Sportgeschichte die Geschichte der geteilten Stadt Berlin. Der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte Tom Sello hob hervor, wie wichtig es ist, über solche und andere Aspekte bei der Aufarbeitung ins Gespräch zu kommen: „Wo konnte man besser zusammenfinden als beim Sport und besonders beim Fußball?“
Ein Gespräch mit Jutta Braun (Zentrum deutsche Sportgeschichte/ZZF)
Inforadio-Beitrag vom 23.1.2020
Mitschnitt der Veranstaltung – präsentiert vom Fernsehen aus der Alten Försterei.
AFTV-Mitschnitt vom 09.02.2020