Märkisches Viertel - Mein Kiez. Geschichte(n) des geteilten Berlins

Mai 2026

Eine kunstvoll gestaltete Stele steht auf einem kleinen Platz im Innenhof vor mehreren Hochhäusern
Senftenberger Ring 60 mit der Säule '"Wassersäule'' von Vagelis Tsakiridis (1972). Bild: Raubdinosaurier, CC0, via Wikimedia Commons

Das Märkische Viertel ist vor allem für seine Neubau-Großsiedlung bekannt. Kurz nach dem Mauerbau geplant, wurde das Viertel zuerst als „gebaute Demokratie” gefeiert. Doch schon bald galt es als ein sozialer Brennpunkt in West-Berlin und als weithin berüchtigtes Beispiel „inhumaner” westdeutscher Nachkriegsarchitektur.

Von den hohen Wohnhäusern entlang der Berliner Mauer konnten die Bewohnerinnen und Bewohner des Märkischen Viertels in den Todesstreifen und weit nach Ost-Berlin blicken und hatten somit stets den inhumanen Charakter des SED-Regimes vor Augen. Mehrfach gingen vom Märkischen Viertel Proteste aus, bei denen Grenzanlagen zum Teil zerstört wurden.

Unsere Veranstaltungen im Rahmen von „Mein Kiez” thematisieren mit einem Filmabend das Märkische Viertel als Projektionsfläche der SED-Diktatur. Wir sprechen mit den Menschen vor Ort über ihre Erinnerungen an das Leben in unmittelbarer Nähe der Berliner Mauer. Und wir laden zum Gespräch über die Auswirkungen der Teilung bis in die Gegenwart ein.

 

Blick auf eine Straße mit geparkten Autos in einem Hochhausviertel
Der Senftenberger Ring im Märkischen Viertel. Bild: Lienhard Schulz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Programm

Kiez-Spaziergänge am 6., 9. und 10. Mai

Stadtplanung in der Systemkonkurrenz. Ein architekturgeschichtlicher Spaziergang durch das Märkische Viertel

Mittwoch, 6. Mai 2026 und Sonntag, 10. Mai 2026, jeweils 11:00 Uhr

Treffpunkt: Eingang in das Einkaufszentrum, Wilhelmsruher Damm 128, 13439 Berlin

Die Architektin und Stadtplanerin Christiane Borgelt führt durch das Zentrum des Märkischen Viertels. Es geht um die Ausgangssituation eines sumpfigen Landstrichs im vormals französischen Sektor West-Berlins, die architektonische Vision für die Großsiedlung und die Herausforderungen bei der Umsetzung, ebenso wie um den Wandel vom berüchtigten sozialen Brennpunkt hin zum lebendigen Wohnviertel.

Christiane Borgelt hat mit den Planern des Märkischen Viertels zum Teil zusammengearbeitet und mehrere Publikationen über den Ortsteil verfasst. Die architekturgeschichtliche Bedeutung der einzelnen Bauten, die sich im Vorbeigehen nicht so einfach erschließt, wird sie vor Ort im Detail erläutern.

Vom Märkischen Viertel über die Grenze schauen – ein zeithistorischer Erzähl-Spaziergang

Mittwoch, 6. Mai 2026, 15:00 Uhr (mit Übersetzung ins Arabische) und Samstag, 9. Mai 2026, 11:00 Uhr 

Treffpunkt: Sitzbank am „Grünen Band Berlin”, Höhe Quickborner Damm 24

Auf der einen Seite Neubauviertel, auf der anderen Industrie, Kleingärten und Friedhöfe. Am Dannenwalder Weg trennte die Mauer keine gewachsene Nachbarschaft. Trotzdem ließen die Vorgänge im Todesstreifen die Anwohner nicht kalt, mehrfach kam es zu Protesten. Welches Bild hatte man von den Menschen auf der anderen Seite? Wann setzte Gewohnheit ein? Die Historikerin Elena Demke erzählt anhand historischer Fotos beispielhafte Geschichten entlang des ehemaligen Grenzstreifens Wilhelmsruher Damm, Dannenwalder Weg bis zur S-Bahn-Trasse. Begleitet vom Lastenrad und ausgerüstet mit Klappstühlen des BENN ist dieser Spaziergang auch eine Einladung zum Gespräch über Grenzen und Nachbarschaft – damals und heute.

Ausstellungseröffnung am 19. Mai 2026, 17 Uhr

Eine weibliche Person schiebt ein Fahrrad einen Weg entlang. Im Hintergrund ist die Berliner Mauer zu sehen.
Märkisches Viertel zwischen Tiefenseer Straße und Dannenwalder Weg, 1977 Bild: Dani C.

Die Berliner Mauer am Märkischen Viertel – Stasi-Fotos, Pressefotos und private Erinnerungen

kuratiert von Elena Demke und Kiezreporter Lux

Kiezreporter Lux sammelt und bearbeitet bereits seit längerem private Erinnerungsfotos aus dem MV. Immer wieder ist auch die Berliner Mauer im Bild, zuweilen nur wie zufällig, zuweilen direkt im Fokus. Bei unserer Ausstellung stellen wir diese Bilder der fotografischen Dokumentation des Grenzverlaufs durch die Stasi gegenüber. 

Die Ausstellung ist anschließend noch bis zum 3. Oktober 2026 zu sehen.

Veranstaltungsort

STZ im Ribbeck-Haus

Senftenberger Ring 54

13435 Berlin 

Filmabend am Donnerstag, 21. Mai, 18 Uhr

Bei einem Filmabend im Stadtteilzentrum im Ribbeck-Haus wird der Film des DDR-Fernsehens „Mord im Märkischen Viertel” von 1973 aus der Reihe „Kriminalfälle ohne Beispiel” gezeigt. Die heute skurril und streckenweise amüsant wirkende Darstellung von West-Berliner Armut und Klassenjustiz im Zerrspiegel der SED-Propaganda dient dabei nicht nur der historisch bildenden Unterhaltung, sondern auch als Ausgangspunkt der Diskussion über Vorurteile und Inszenierungen des Märkischen Viertels im Verhältnis zur Lebenserfahrung seiner Bewohnerinnen und Bewohner.

Einführung: Elena Demke, Historikerin beim Berliner Aufarbeitungsbeauftragten

Begrüßung: Sandra Sapiatz, Leiterin STZ im Ribbeck-Haus

Veranstaltungsort

STZ im Ribbeck-Haus

Senftenberger Ring 54

13435 Berlin

Kooperationspartner

„Märkisches Viertel – Mein Kiez. Geschichte(n) des geteilten Berlins“ ist eine Veranstaltung des Berliner Aufarbeitungsbeauftragten mit dem Stadtteilzentrum im Ribbeck-Haus und dem Netzwerk BENN („Berlin entwickelt neue Nachbarschaften”).

Medienpartner

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